Forschung, Pychologie

Die eigene Persönlichkeit ändern? Angeblich leichter als gedacht – und zwar per App.

Extrovertierter oder gewissenhafter – die meisten Menschen würden gerne etwas an sich ändern. Laut einem Forschungsteam um Mathias Allemand von der Universität Zürich gar nicht so schwer, wie man denken würde. Und zwar nach Angabe des Teams möglich durch die Nutzung einer App.

Das Team stellte mehr als 1.500 Erwachsenen für drei Monate eine App zur Verfügung, die die Testpersonen dabei unterstützen sollte, eine Facette ihrer Persönlichkeit in Eigenregie zu verändern. Dabei standen die sogenannten Big Five der Persönlichkeit (Fünffaktorenmodell der Persönlichkeit) zur Auswahl: Extraversion, Neurotizismus, Gewissenhaftigkeit, Offenheit für neue Erfahrungen und Verträglichkeit. Es wurden 60 Items verwendet – zwölf pro Merkmal.

Als einer der häufigsten Veränderungswünsche wurde von den Teilnehmenden im Vorfeld mehr emotionale Stabilität – also mehr Ausgeglichenheit oder Selbstvertrauen und weniger depressive und ängstliche Gefühle – genannt. Fast genau so viele wollten gewissenhafter und geselliger (extravertierter) werden.

Die App unterstützte die Probanden und Probandinnen während des Versuchszeitraums durch die Vermittlung von Wissen, Motivation zur Selbstreflexion und Feedback zum Fortschritt sowie Reminder für selbst erstellte Wenn-dann-Pläne

Nach drei Monaten äußerten die Testpersonen ihren Zielen näher gekommen zu sein, als die Teilnehmer der einen Monat später mit der App startenden Kontrollgruppe. Die Auswertung ergab einen Anstieg mittlerer Stärke bei den Persönlichkeitsmerkmalen Extraversion, Gewissenhaftigkeit, emotionaler Stabilität und Verträglichkeit. Die Offenheit für neue Erfahrungen ließ sich allerdings nicht durch die App steigern.

Die Angaben der Teilnehmenden zu den Veränderungen wurde teilweise durch Freunde und Familie bestätigt, zumindest in den Bereichen Gewissenhaftigkeit und Extraversion. Allerdings etwas schwächer, als von den Teilnehmenden angegeben. Hinsichtlich der emotionalen Stabilität konnten die Angaben der Proband*innen allerdings nicht bestätigt werden.

Eine Veränderung der Big Five Persönlichkeitsdimensionen wird normalerweise durch die Übernahme neuer sozialer Rollen und Verantwortungen ausgelöst – so werden z.B. in bestimmten Altersabschnitten Rollenübergänge durch den Übergang in den Beruf oder die Familiengründung vollzogen, die Veränderungen der Persönlichkeit bei den Betroffenen auslösen.

Die Ergebnisse des Forschungsteams um Mathias Allemand lassen vermuten, dass sich die Persönlichkeitseigenschaften aber auch unabhängig von diesen Entwicklungsschritten und durch den Einsatz digitaler Formate verändern lassen. Weitere Studien müssen allerdings prüfen, wie stabil diese Veränderungen sind und ob sie auch im Verhalten nachweisbar sind.

Forschung, Pychologie

Gelassener durch die Pandemie dank „The Walking Dead“?!

Einer kleinen Studie der University of Chicago zufolge (erschienen in der Fachzeitschrift „Personality and Individual Differences“) können Freunde von Horrorgeschichten mit Zombies oder Alien-Invasionen psychisch besser mit den Einschränkungen und Folgen der Corona-Pandemie umgehen.

310 Probanden wurden in der Untersuchung zu ihrem Umgang mit der Pandemie und den jeweiligen Vorlieben hinsichtlich ihres Medienkonsums befragt. Diejenigen, die besonders gerne Endzeit- oder Horrorinhalte konsumierten, gaben an, insgesamt gut auf die Pandemie vorbereitet zu sein. Laut Aussage der Forscher verfügten diese Probanden auch über mehr Resilienz im Umgang mit der Corona-Pandmie.

Koautor der Studie, John Johnson (emeritierter Professor für Psychologie von der Pennsylvania State University) bescheinigt jedenfalls, dass einigen Probanden der Kosum entsprechender Filme im Umgang mit der Pandemie zugute kam. Er vermutete, dass der Filmkonsum ein mentales Übungsszenario für eine realistische Situation bieten könne.

Natürlich beschreibt dieses Ergebnis lediglich eine Korrelation – eine Kausalität kann damit nicht begründet werden. Vielleicht können einige Menschen besser mit unterschiedlichen Horrorszenarie umgehen – und das sowohl im Zusammenhang mit Medien als auch in der Realität. Dann könnten die strapazierfähigeren Nerven wiederum eher eine Begründung für die Vorliebe horrorlastiger Filme sein.

Trotzdem spannend und sicherlich ein Grund mehr, endlich wieder mal eine morbide Story zu konsumieren….